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Das Reich des Andenkondors umfasst die gesamte Andenregion Südamerikas und die Steppe Patagoniens. Nachdem ich im Frühjahr 2013 die Gelegenheit hatte, den südlichen Teil seiner Heimat zu bereisen, sollte es im Sommer 2014 in die zentrale Region der Hochanden gehen. Zwar herrscht zu jener Zeit auf der Südhalbkugel Winter, aber für die Andenregion Perus, Boliviens und Chiles ist diese Jahreszeit mit die beste zum Reisen. Im Focus des Reiseprogramms, das wieder von dem Veranstalter für Fotoreisen Freiraum Fotografie angeboten wurde standen neben der Kulturstätten der Inka vor allem die atemberaubende Landschaft des Altiplano und der Atacama-Wüste.

Der erste Teil der Fotoreise führte an die Küste zwischen Lima und Pisco. Neben der Hauptstadt Perus, standen die Vogelkolonien der Balestas und die Dünen von Ica auf dem Programm. Anfänglich leider unter keinem so günstigen Stern. Wie auf Langstreckenreisen üblich mussten wir einen Teil der Fotoausrüstung als Fluggepäck aufgeben. Bei fast allen Teilnehmern der Reise kam das Gepäck jedoch erst mit einer Verspätung von 3 Tagen in Südamerika an. Und so mussten wir an unseren ersten Foto-Locations auf die Stative verzichten. Dennoch war für mich der Sonnenaufgang über den großen Dünen von Ica einer der bewegendsten Momente auf der gesamten Reise.

Nach unserer Rückkehr und der Gepäckübernahme am Flughafen von Lima ging es per Flug nach Arequipa. Neben der Gewöhnung an die uns bevorstehende Höhe standen am Fuße des Vulkans Misti die Altstadt Arequipas, deren Kathedrale und eine Alpaca-Spinnerei auf dem fotografischen Programm. Unser erster Zweitagesausflug auf Höhen über 3.000 m führte uns in den Colca Cañon nach Cabanaconde und zum Cruz de los Condores. Der Colca Cañon ist mit einer Tiefe von 3.962 m noch vor dem Crand Canyon die zweittiefste Schlucht der Welt. Direkt vom Cañon-Rand bis zum Colca Fluss misst die maximale Tiefe jedoch nur knapp 1.200 m. Im Gegensatz zum Crand Canyon ist das Colca Tal jedoch vergleichsweise dicht besiedelt. Dort, wo die steilen Wände es zulassen, haben die alten Inka Terrassen für die Landwirtschaft angelegt.

Nach unserer Rückkehr in Arequipa flogen wir weiter nach Cuzco, jener Stadt, die über Jahrhunderte das Zentrum der alten Inkakultur bildete. Neben den Ruinen der alten Inkabauwerke in und um die Stadt, standen die Tempelanlagen im Tal von Pisac auf dem Programm. Hier in Cuzco forderten die alten Götter bereits ihren ersten Tribut. Michael – einer unserer Reiseteilnehmer – hatte auf der Straße vermutlich eine Flasche mit gepanschtem Trinkwasser erstanden. In Verbindung mit der ungewohnten Höhe schwächten „innenpolitische Probleme“ den armen Kerl derart, dass er beim Programm der nächsten Tage pausieren musste.

Von Cuzco führte uns unsere Reise erst mit dem Bus und dann mit der Eisenbahn durch das Urubamba-Tal in das alte Inkazentrum nach Aguas Qualientes. Die Stadt am Rande des Peruanischen Regenwaldes ist der Ausgangspunkt für den Aufstieg zu den Ruinen von Machu Pichu. Diese liegen auf einem Bergplateau in 2.430 m Höhe und sind entweder über den alten Inkapfad zu Fuß oder über steile Serpentinen mit dem Bus zu erreichen. Da Aufstieg und Straße über Nacht gesperrt sind, und wir bereits zum Sonnenaufgang auf dem Berg sein wollten, entschieden wir uns für den Bus. Auf dem Rückweg von Aguas Quallientes nach Cuzco passierten wir noch einmal die Ruinen von Ollantaitambo, die wir schon auf dem Hinweg besichtigt hatten.

Von Cuszco ging die Reise mit dem Bus an den auf 3.900 m Höhe gelegenen Titicaca-See, wo wir einen Abend in einem kleinen Dorf bei Campesionos privat übernachteten. Neben den Einblicken in das karge Leben der Bergbauern, die uns dieser Aufenthalt bescherte, hatten wir auf der Weiterreise über den See nach Puno noch die Möglichkeit, an einer der Uro-Inseln festzumachen. Ein Teil dieser Ureinwohner lebt noch immer auf ihren schwimmenden Inseln aus zusammengebundenen und im flachen Wasser des Sees verankertem Schilf.

In Bolivien angekommen, standen die Altstadt von La Pazz, das Valle de la Luna (Mondtal) nahe der Stadt und die Stadt El Alto auf dem fotografischen Programm, bevor es mit dem Flugzeug nach Uyuni, zum großen Salzsee auf dem Altiplano ging. Der Uyuni Salzsee ist mit knapp 10.600 km² die größte Salzpfanne dieser Erde. Hier, in der angrenzenden Siloli Wüste und Ausläufern der Atacama Wüste sollten wir uns die kommende Tage aufhalten. Neben der endlosen Weite des Salzsees standen von allem die vielen vulkanischen Formationen, die unzähligen Lagunen mit ihren Scharen von Flamingos und vor allem die Farben der Anden auf dem Programm. Highlights dieser kolossalen Berglandschaft waren neben dem Salzsee und den Felsenbäumen die Lagunen Colorada, Blanca und Verde. Den Abschluss unseres Aufenthaltes in der Region der Hochanden bildeten auf der chilenischen Seite der Besuch des Valle de la Luna bei San Pedro de Atacama und die Sternenfotografie auf einem Plateau nahe der Stadt. Im Gegensatz zum Mondtal nahe der Stadt La Pazz, trägt das Mondtal bei San Pedro mit Recht seinen Namen. Sieht die Landschaft dort doch wirklich mondähnlich aus. Das Mondtal bei San Pedro könnte gut als Kulisse für einen Film, der auf dem Mond spielt, dienen.

Nach unserem Weiterflug nach Santiago in die Haupstadt Chiles unternahmen wir noch einen Tagesabstecher nach Valparaiso. Diese malerische Stadt an der Küste des Pazifiks gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie besticht durch ihre farbenprächtigen Holzhäuser und die vielen Gafitis in den Straßen. Und wie kann man eine solche Stadt besser erleben, als mit einem außergewöhnlichen und ortskundigen Fremdenführer. Diesen hatten wir in Michael – dem „Deutschen Piraten“. In Deutschland geboren, ist er seit Jahren mit einer Chilenin verheiratet und lebt in seiner Wahlheimat Valparaiso. Dort bringt dem interessierten Besucher seine Stadt auf eine sehr persönliche und dennoch informative Weise nahe.

Ein Auswahl von Fotos dieser für mich unvergesslichen Reise finden Sie in der Galerie Peru – Bolivien – Chile

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